
Kleinkrieg am Gartenzaun, Terror über Balkonien und Keiferei im Treppenhaus. Sowas gibts nur auf RTL2 … dachte ich immer… bis Mittwoch letzter Woche, wo ich eines besseren belehrt wurde. Unsere neue Traumwohnung im Grünen würde noch ihren versteckten Haken zeigen, da war ich mir sicher, aber dass der schlecht blondierte Haken gegenüber wohnt das wusste ich nicht.
Aber der Reihe nach. Unser 6-Parteien-Haus hat einen liebevoll ausgeklüngelten und sehr detailierten Putzplan, der festlegt, wer wann zu putzen, zu fegen und die Mülltonnen raus zu bringen hat. Übers Jahr kommen wir so auf 4 Wochen Mülltonnendienst (wobei aber die Grüne Tonne mittwochs, die Gelbe alle 2 Wochen freitags, die Blaue donnerstags und die Graue wieder mittwochs rauszukarren ist .. klar soweit?), auf 4 Wochen Keller-Fege-Dienst und alle zwei Wochen (nämlich die ungeraden Kalenderwochen) zum Putzen unseres Flurbereichs inkl der Haustür, Briefkästen (!) und der kleinen Treppe vor der Haustür. Puh.
Soweit so gut.
Mit den gegenüber liegenden Nachbarn, mit denen wir den „Flurbereich“ teilen dürfen hatten wir wenig Kontakt bisher. Der erste Eindruck ist aber bekanntlich oft der Richtige, und der war:
Er – freundlich grüßend im Treppenhaus
Sie – nicht grüßend mit Mundwinkeln im Kniebereich.
Aber egal, ich muss sie ja nicht heiraten, leben und leben lassen … bisssss zur ersten Kontaktaufnahme ihrerseits in der 22. KW an meiner Haustür:
„Sie ham noch nich jeputzttt“
„Hallo erstmal. Nein in der Tat, denn das hab ich letzte Woche, ich bin nicht dran.“
„Ja wat??“
„Also auf meinem Plan steht: ungerade Kalenderwochen. Wir haben eine gerade.“
„Ja hm … hmpf … grmüpf …. isch hab das hier ganz allein jemacht als die Wohnung leer war“
Ja und was kann ich dafür??? Naja, dabei blieb es … bis ich es mir erlaubte, mich erdreistete und es wagte … das Putzen zu vergessen in der vorletzten Woche. Wie sie das gemerkt hat ist mir schleierhaft. Aber sie kam mir im Flur entgegen und wies mich in ihrer liebenswürdigen Art darauf hin. Ich lächelte entschuldigend und bot an ihre Putzschicht diese Woche auf mich zu nehmen als Entschädigung für meine Verfehlung.
Einen Tag später … an jenem Mittwoch … abends das Klingeln der Haustür. Der Mann öffnete und rettete mich damit vor der Schimpf-flut, die da vom Flur aus hereinwaberte. Dem Gekeife konnte man wenige Wörter entnehmen, ich interpretiere, dass sie nicht geschnallt hat, dass ich für sie diese Woche übernehmen wollte und mir nun vorwarf nicht direkt nach ihrem Anpfiff den Schrubber geschwungen zu haben, weil siiiie ja diese Woche auuuch noch putzen muss.
Ich war platt.
Der Mann nicht. Nach einem ersten Anlauf „Gute Frau, mal gaanz ruhig“, der (natürlich) voll nach hinten los ging … machte er Frau Nachbarin die Tür vor der Nase zu.
Bumms.
Das spornte sie zu Höchstniveau an: „Du A****loch!!“
Tür wieder auf, Mann einen Satz nach vorn: „Erstens heisst das SIE und zweitens … „
Zu zweitens kam es nicht mehr, zumindest konnte ich es nicht hören, weil sie sich auf ein gekreischtes „FASS MICH NICHT AN“ verlagerte. Anfassen??? Der Himmel bewahre, wer würde das wollen??!!
Hach Schön. Seitdem eisige Funkstille in unserem Flurbereich und nachdem ich dann den Freitag zu Putzzwecken genutzt hatte, hat unsere Gute am heiligen Sonntag meinen vermutlich unzureichend geputzten Flur erneut gefeudelt.
*Und sehen sie demnächst gewiss eine neue Folge von „Was kein Mensch braucht“ … ich ruf mal bei Britt an *gg* *